Mit Achtsamer Führung erfolgreich in Zeiten der Krise

Aktualisiert: Sept 6

How to be successful with mindful leadership in challenging times

In Zeiten der Krise sind Führungskräfte besonders gefordert. Eine nie dagewesene Krise wie eine Pandemie, die nicht nur das berufliche, sondern auch das private Leben stark betrifft und einschränkt, fordern eine besondere Stärke der Führungskraft.

Es gibt keine Handlungsanweisungen und keine Erfahrungswerte.

Das Arbeiten muss komplett umgestellt werden. Ein Großteil der Mitarbeiter befindet sich im Home Office. Dennoch soll der normale Arbeitsablauf nach Möglichkeit aufrechterhalten werden.

Dazu müssen neue Kommunikationswege aufgebaut werden. Eventuell hat nicht jeder Mitarbeiter die technischen Möglichkeiten für Videokonferenzen etc., Drucker oder Scanner zuhause. Dennoch ist die direkte Kommunikation, zumindest über Video oder Telefon gerade in dieser ungewohnten Zeit besonders wichtig.

Zu den technischen Herausforderungen kommen die zeitlichen und emotionalen Herausforderungen der Mitarbeiter und auch der Führungskräfte. Social Distancing und geschlossene Kitas, Schulen und Kindergärten erfordern eine neue Zeitplanung und sind eine zusätzliche Belastung für Eltern, die ihre Kinder plötzlich ohne Hilfe von außen betreuen oder sich um Homeschooling kümmern müssen.

Auch der psychische Druck, unter dem die Mitarbeiter stehen, müssen von den Vorgesetzten beachtet werden. Angst um den Arbeitsplatz, Angst vor dem Verlust geliebter Menschen, Angst vor einer weltweiten Wirtschaftskrise können die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter stark einschränken.

Wie Körper und Geist auf Stress reagiert

Auf diese ausgesprochen ungewohnte Situation reagiert der Körper mit der Ausschüttung von Stresshormonen, der Teil des vegetativen Nervensystems, der bei Gefahr das Überleben sichern soll, wird aktiviert. Der Körper befindet sich nun im Notfallmodus, dem sogenannten „fight, flight or freeze modus“.

In diesem Modus sind klare Entscheidungen, Offenheit für Veränderungen und Kreativität weniger möglich. Wir reagieren fast nur noch auf die Stimuli von außen.

Wie unsere Gedanken unsere Handlungen bestimmen

Dort wo unsere Aufmerksamkeit hingeht, fließt auch unsere Energie hin. In Gedanken beschäftigen wir uns nun mit den äußeren Geschehnissen und unsere Handlungen folgen den Gedanken. In diesem Zustand befinden wir uns im automatischen Verstand. Wir bemerken kaum, dass der Verstand unentwegt Gedanken produziert. Ca. 60.000 bis 70.000 Gedanken pro Tag denkt der Mensch im unbewussten Zustand.

In diesem Zustand ist unsere Wahrnehmung eingeschränkt und damit auch unsere Handlungsoptionen.

Die Mehrzahl der Gedanken ist jedoch reine Zeit- und Energieverschwendung. Laut einer Studie von Killingsworth und Gilbert (2010) ist der Verstand 47% der Zeit mit Gedanken über die Vergangenheit oder Zukunft beschäftigt. Er ist also nicht mit dem gegenwärtigen Moment beschäftigt und mit dem, was gerade wichtig wäre. Wir sind nicht in unserer Kraft und können unser Potential nicht ausschöpfen.

Um eine Krise zu bewältigen, benötigen wir jedoch unsere volle Aufmerksamkeit, einen wachen und offenen Verstand, Kreativität und Empathie uns selbst und der Mitarbeiter gegenüber.

Sich selbst führen - Selbstkompetenz

Um in solch herausfordernden Zeiten klar, emphatisch und authentisch zu führen, ist es wichtig, aus dem automatischen Verstand auszusteigen.

Bei der Achtsamen Führung verwenden wir Achtsamkeitsübungen, um den Verstand zu beruhigen und Stress abzubauen. Kurze Sequenzen an bewusster Atmung beispielsweise können den Verstand bereits aus dem automatischen Denken ins Hier und Jetzt zurückholen. Der Körper entspannt sich und die Körperfunktionen, die im Notfallmodus aktiviert waren, können wieder in den Normalzustand zurückkehren.

Das regelmäßige Praktizieren von Achtsamkeit hilft weiterhin dabei, die Gedanken zu beobachten, den Fokus auf aktuelle Probleme zu lenken sowie die Kreativität bei der Problemlösung zu erhöhen.

Albert Einstein sagte bereits, „Probleme können niemals mit derselben Denkweise gelöst werden, durch die sie entstanden sind.

Wenn der Verstand klar ist, können wir bemerken, dass Dinge, die wir als Problem angesehen haben, kein Problem sind, sondern eine Aufgabe, für die wir eine Lösung finden werden.

Achtsamkeitsübungen helfen uns auch dabei, unsere Glaubenssätze („belief systems“) zu bemerken und erhöhen damit unser Gewahrsein für uns selbst („self-awareness“). Glaubenssätze sind Gedanken und Konzepte, die wir für wahr halten, ohne sie zu überprüfen. Glaubenssätze entstehen häufig bereits in der Kindheit und können uns unser gesamtes Leben lang begleiten. Ein limitierender Glaubenssatz kann bspw. sein, „Ich muss alles alleine schaffen.“ Gerade in Krisenzeiten kann uns das kritische Überprüfen von solchen Gedankenmustern dabei helfen, agile Lösungsansätze zu finden.

Eine effiziente Methode, die beim Führungskräfte-Training verwendet wird, um limitierende Glaubenssätze zu überprüfen ist die IBSR-Methode („inquiry-based stress reduction“). Sie weitet den Fokus auf ein Problem und bringt neue Erkenntnisse und Lösungsansätze.

Mit dieser Methode können auch die Glaubenssätze des inneren Kritikers aufgelöst werden, die uns daran hindern, unsere eigene Kraft und Stärke wahrzunehmen und neue Wege auszuprobieren. Der innere Kritiker redet uns häufig ein, dass wir Dinge nicht gut genug machen, dass wir schneller sein sollten oder dass wir es hätten besser machen können.

Lösen wir diese negativen Glaubenssätze auf, wird unser Selbstvertrauen gestärkt, wir können besser akzeptieren, wer wir sind, sowohl mit unseren Schwächen, als auch mit unseren Stärken. Dadurch werden wir authentisch und emphatisch in unserer Führung.



Andere Führen verlangt Beziehungskompetenzen

Haben wir unser Gewahrsein und Selbstvertrauen gestärkt, und ruhen mehr in uns selbst, können wir auch unseren Mitarbeitern mit Vertrauen und Offenheit begegnen.

Mitarbeiter, die sich Sorgen machen über die gegenwärtige Situation, Angst vor der Zukunft haben oder sich über den Erhalt des Arbeitsplatz sorgen, wollen mit ihren Befürchtungen gehört und gesehen werden.

Gerade in Zeiten großer Unsicherheit von außen ist es wichtig, dass wir dem Mitarbeiter ein Gefühl von Sicherheit geben. Fühlt der Mitarbeiter sich mit seinen Themen gesehen, erzeugt dies bei ihm Vertrauen und Offenheit und die Bereitschaft, sich auch in Krisenzeiten weiter für das Unternehmen und das Team einzusetzen.

Das regelmäßige Praktizieren von Achtsamkeitsübungen unterstützt uns dabei, uns unserer Gedanken gewahr zu sein und Menschen und Situationen urteilsfrei zu begegnen.

Durch Achtsame Führung können wir uns auch in schwierigen Situationen mit unseren Mitarbeitern unserer Gedanken bewusst werden und dem Mitarbeiter begegnen ohne ihn zu bewerten. Wir können uns der Tatsache bewusst sein, dass unterschiedliche Meinungen und Perspektiven ihre Berechtigung haben und wertvoll sind. Indem wir andere Meinungen zulassen oder sogar neugierig werden, können wir schneller Lösungen finden, da uns andere Perspektiven neue Wege aufzeigen können.

Zeigen wir den Mitarbeitern, dass wir ihre Arbeit und ihre Ansichten schätzen, führt dies zu mehr Engagement und einer höheren Motivation bei den Mitarbeitern.

Durch unser Vertrauen in unsere Mitarbeiter, schaffen wir einen Raum, in dem jeder Mitarbeiter seine einzigartigen Fähigkeiten einbringen kann und in dem sein Potential auch und insbesondere in Krisenzeiten zur Entfaltung kommen kann und zum Wohle des gesamten Teams und des Unternehmens genutzt werden kann.



Führen in Krisenzeiten - Veränderungskompetenz

Bereits die normale Arbeitswelt, die geprägt ist durch Veränderung, Unbeständigkeit, Ungewissheit und Komplexität fordert ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Offenheit, um den Anforderungen gerecht zu werden.



Kommt zu diesen bereits hohen Anforderungen auch noch eine Bedrohung von außen hinzu, gerät der Verstand unter Stress. In solchen Situationen fängt der Verstand an, Gedanken und Geschichten zu produzieren, um uns ein Gefühl der Sicherheit und Kontrolle zu vermitteln.

Wie wir jedoch bereits gehört haben, sind diese Gedanken häufig reine Energie- und Zeitverschwendung und darüberhinaus können wir die Situation weniger klar beurteilen. Überprüfen wir jedoch kritisch diese Geschichten und praktizieren Achtsamkeit, können wir die Situation so akzeptieren, wie sie ist, auch wenn sie schwierig ist und aus dieser offenen Haltung heraus bessere Lösungen finden als zuvor. So stärken wir unsere Resilienz und werden agiler und unsere Empathie unseren Mitarbeiter gegenüber wächst, da wir verstehen können, dass sie ebenfalls vor großen Herausforderungen stehen. So entsteht ein Gefühl der Verbundenheit und Gemeinschaft, wodurch eine Zusammenarbeit auf einem ganz anderen Level möglich wird.



Plötzlich sind auch Fehler erlaubt, denn diese werden als Möglichkeit angesehen zu wachsen. Durch das Akzeptieren von Fehlern ist die Bereitschaft der Mitarbeiter, neue Wege zu gehen, größer. Dadurch ist kontinuierliches Wachstum und schnellerer Erfolg möglich, auch in schwierigen Zeiten.



Durch Achtsame Führung können Führungskräfte in schwierigen Zeiten mit Klarheit, Empathie und Authentizität ihr Team erfolgreich führen. Es ist die emotionale Intelligenz, die der Selbstkompetenz, Veränderungskompetenz und Beziehungskompetenz zugrunde liegt, die durch das regelmäßige Praktizieren von Achtsamkeit und das kritische Hinterfragen von Gedankenmustern gestärkt wird. Dadurch ergibt sich eine neue Zusammenarbeit, basierend auf Vertrauen und Offenheit, in dem das Potential der Mitarbeiter geschätzt und gefördert wird. Es entstehen neue Möglichkeiten, als Team über sich hinauszuwachsen und Ergebnisse zu erzielen, die man vorher nicht für möglich gehalten hat.

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