Warum Stress krank macht und wie man ihm entgegen wirken kann

Auch in der heutigen Zeit ist es möglich ein stressfreies Leben zu führen. Auch wenn dies im Zeitalter der Schnelllebigkeit und Digitalisierung, der ständigen Erreichbarkeit durch Handys und Emails und der hohen Ansprüchen an Flexibilität und Veränderung am Arbeitsplatz kaum vorstellbar ist. Doch bevor wir uns damit auseinander setzen, wie wir unser Stresslevel immer wieder verringern können, werden wir uns damit beschäftigen, welche Auswirkungen Stress auf uns und unseren Körper hat.


Unter Stress verstehen wir normalerweise den negativen Stress, der der uns nach der Arbeit nicht abschalten lässt und uns nachts den Schlaf raubt. Und damit beschäftigen wir uns auch in diesem Beitrag.


Stress - eine notwendige Reaktion des Körpers


Doch was ist Stress eigentlich? Stress ist die notwendige Reaktion des Körpers, sich auf Situationen einzustellen, die eine erhöhte Leistung erfordern. Diese Reaktion ist ein uralter Mechanismus, der dem Menschen bereits in der Steinzeit von Nutzen war. Wurde der Mensch damals bspw. von einem Säbelzahntiger angegriffen, liefen innerhalb von Bruchteilen von Sekunden verschiedene Reaktionen im Körper ab, um dem Menschen durch Kampf, Flucht oder Verharren das Überleben zu sicher. Über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (Reaktionen zwischen Gehirn und der Nebennierenrinde) wurden die Stresshormone Cortisol und Adrenalin / Noradrenalin ausgeschüttet, und der Sympathikus aktiviert. Das ist der Teil des autonomen Nervensystems, der für die körperliche Aktivität zuständig ist.


Für die Flucht oder den Kampf musste den Muskeln schnell Energie zur Verfügung gestellt werden, dazu wurde Glucose ins Blut ausgeschüttet, der Blutdruck erhöhte sich, das Herz schlug schneller, die Bronchien weiteten sich, der Körper fängt an zu schwitzen. Reaktionen des Körpers, die für das Überleben in dem Moment nicht notwendig waren, wurden, gesteuert über den Gegenspieler des Sympathikus, zurückgefahren, bspw. die Verdauung, das Immunsystem und die Sexualität.


Nachdem der Kampf oder die Flucht beendet war und die bereitgestellte Energie verbraucht war, wurde der erholungsfördernde Teil des autonome Nervensystem, der Parasympathikus aktiviert. Das Herz schlug wieder langsam, die Verdauung wurde angeregt, der Körper konnte sich erholen.


Negative Konsequenzen von Stress


Die damals wie heute notwendigen Reaktionen des Körpers bei Gefahren sind die gleichen Reaktionen, die ausgelöst werden, wenn wir eine Situation als stressig bewerten, z. B. wenn wir unter Zeitdruck einen Auftrag fertig stellen müssen, gleichzeitig Emails beantworten sollen oder Telefonanrufe entgegennehmen sollen. Die Situationen, die tagtäglich im Arbeitsalltag oder im privaten Umfeld als stressvoll bewertet werden, sind zwar keine realen Gefahren mehr, die Reaktionen des Körpers sind jedoch weiterhin die gleichen.

Da die körperliche Aktivität als Ausgleich im Alltag häufig fehlt und die durch die Sympathikus-Aktivierung hervorgerufenen Reaktionen kein Ventil finden, kann dauerhafter Stress dazu führen, dass sich Krankheiten, wie z. B. Bluthochdruck oder Diabetes entwickeln. Durch das Stresshormon Cortisol wird weiterhin die Infektanfälligkeit erhöht. Cortisol hat auch Auswirkungen auf die Größe, Struktur und Funktion des Gehirns bis hin auf die genetische Ebene. In den Hirnarealen des Hippocampus, der für Lernen, Erinnern und Stress-Reduktion zuständig ist, verringern sich die Signale, während in der Amygdala, dem Angstzentrum im Gehirn, die neuronalen Verbindungen erhöht werden. Durch Cortisol wird der Teil des Gehirns, der für Konzentration, Entscheidungsfähigkeit, Urteilsvermögen und soziale Interaktion zuständig ist, geschrumpft. Depressionen werden begünstigt.


Raus aus dem Stress


Die Auswirkungen von Stress für den Körper sowie für die Arbeitsfähigkeit des Menschens sind demnach fatal. Doch die gute Nachricht ist, dass sich durch körperliche Bewegung, Ausdauersport oder andere Sportarten, durch Yoga, Atem-, und Achtsamkeitsübungen sowie Meditation die durch Stress ausgelösten körperlichen Reaktionen wieder ins Gleichgewicht bringen lassen. Diese Aktivitäten reduzieren das Stresslevel, durch Mediation werden die Hirnareale im Hippocampus vergrößert und die Gedächtnisleistung verbessert. Durch mentale Stressreduktions-Methoden können ursprünglich als stressvoll bewertete Situationen im Arbeitsalltag sowie im privaten Bereich mit mehr Gelassenheit, Ruhe und Klarheit bewältigt werden.


Wer für Sport oder Meditation wenig Zeit hat, kann bereits durch kurze Atemübungen, wie z. B. mehrmaliges tiefes Ein- und Ausatmen pro Tag den Teil des autonomen Nervensystems aktivieren, der für die Erholung zuständig ist. Und dies kann man sogar tun, bevor man zum Hörer greift und ein wichtiges Telefonat entgegen nimmt. Probieren Sie es aus, schließen Sie die Augen und atmen Sie einmal tief ein und aus.


Und in einem unserer nächsten Beiträge beschäftigen wir uns mit einer Methode, die Stress auf einer mentalen Ebene lösen kann, der sogenannten Untersuchungs-basierten Stressreduktion (IBSR - inquiry based stress reduction).

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